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2. May 2020

Meine dritte Geburt: “Frauen, hört auf Euren Körper!”

Nach einer Geburt im Geburtshaus und einer Hausgeburt musste Baby 3.0 aufgrund einer Thrombose in der Schwangerschaft in der Klinik geboren werden. Das hatte mich zunächst sehr erschüttert, da auch keine Beleghebammen in Leipzig mehr zu bekommen waren. Doch ich hatte 33 Wochen Zeit, mich damit anzufreunden und mir sicher zu werden, dass ich auch in der Klinik meinen Weg gehen werde. So war ich dann ausreichend gefestigt und guter Dinge.

Das Ratedatum von Baby 3.0 war der 6. September, aber leider datierte die Frauenärztin durch Ultraschall vor auf den 1. September. Erst später, als ich dann über diesen Termin ging und die Leitlinien dazu las, fand ich heraus, dass das reine Umdatieren auf Basis von Ultraschall bei zuverlässigem Zyklus nicht zulässig ist.

Während der Schwangerschaft hatte ich das Gefühl, dass dieses Baby zu früh kommen würde und hoffte, dass es trotzdem lange genug wartet. Dann jedoch ließ es uns ordentlich warten. Tag um Tag verging in diesem sehr heißen Sommer und Baby 3.0 blieb in ihrer Höhle.

Die Hochzeit am 7. August, die wir schon unter Vorbehalt angesetzt hatten, konnte also ganz entspannt stattfinden. Ab dem 1. September gab es dann regelmäßige CTGs zur Kontrolle und nach einer Woche auch einen Ultraschall. Trotz Bestnoten im CTG war eine sehr ruppige Oberärztin in der näheren Klinik dann der Meinung, man müsse einleiten. Plazenta stark verkalkt, kaum noch Fruchtwasser, das Baby sei gefährdet. Der Vater wurde bei dieser Untersuchung ohne Absprache vor dem Raum geparkt und ich völlig überfahren.

Nach dieser Untersuchung war ich zwar gefasst und einverstanden, wenn es nötig sei. Doch ich zweifelte an dieser Beurteilung und hatte kein gutes Gefühl. Also fuhren wir einige Stunden später deshalb in den Kreißsaal einer weiter entfernten Klinik. Der Kreißsaal dort hatte sich neu formiert und es arbeiteten einige ehemalige Hausgeburtshebammen dort, weswegen ich auf frauen-zentriertere Versorgung hoffte.

Dort trafen wir eine sehr nette Hebamme Katrin, die uns erstmal ganz entspannt empfing.

Laura with Baby 3.0
Sneak Preview - alles wird gut ;-)

Beim Abtasten des Bauches fühlte sie deutlich genug Fruchtwasser und ohnehin sei es ein Anzeichen der beginnenden Geburt, wenn das Fruchtwasser abnähme. Diese Panik würde sie immer wieder nerven ;-)

Das CTG war wieder top und ein Arzt nahm sich dann eine halbe Stunde Zeit, um in Ruhe zu schallen und zu untersuchen. Beim Ausmessen der Fruchtwasserreservoirs fand er mehr als das vorgeschriebene Minimum und die Plazenta war entsprechend der fortgeschrittenen Schwangerschaft verkalkt. Seiner Meinung nach gab es keinen Grund zur Eile und wir könnten auf jeden Fall mal noch zwei Tage warten. Er schätzte Annika auf 3400 Gramm, auch da also kein Grund zur Sorge.

Tags drauf, es war jetzt Sonntag, der 9.9.18, wieder ein 1A-CTG. Ebenso wie am Montag und am Dienstag. Da es mir und Baby gut ging, blieb auch die Oberärztin entspannt. Ich hatte klar gemacht, dass ohne medizinische Indikation vor dem kommenden Wochenende nichts passieren würde. Denn über meinem Termin war ich ja erst wenige Tage.

Die letzten zwei Wochen hatte es immer mal Wellen gegeben, die wieder verschwanden. Das kannte ich von den ersten Kindern gar nicht, aber ich blieb trotzdem entspannt. Überhaupt stresste mich die Warterei gar nicht. Ich wollte die letzten extrem heißen Tage lieber mit Baby im Bauch als mit Baby auf dem Arm verbringen.

Dienstags nachts um 00:30 Uhr fingen dann Wellen an. Ich blieb im Bett und stoppte immer mal. Gegen 4:30 Uhr rief ich im Kreißsaal an, um Kontakt aufzunehmen und zu sagen, wie es aussah. Die Hebamme war sehr nett und meinte, ich könne noch Zuhause bleiben oder kommen, wie es mir besser ginge. Gegen 5:30 Uhr weckte ich dann meinen Mann mit den Worten „Wollen wir mal ein Kind kriegen?“. Der Weg zum Kreißsaal war etwas länger und ich wollte nicht mit sehr starken Wehen im Auto sitzen. Zudem würde 6 Uhr die kleinste Tochter aufstehen und Unruhe sein, für sie und für mich. Da hatte ich den Eindruck, es sei besser, wir wären dann einfach schon weg. Meiner Mutter sagte ich kurz Bescheid, sie schlief ebenfalls im Kinderzimmer und dann waren wir unterwegs.

Im Auto ging es gut, ich machte ab und an kurze Konzentrationspausen, aber sonst redeten wir. Gegen sechs Uhr kamen wir an und ich fand es so unvorstellbar. Wir liefen nun zu zweit ins Krankenhaus und würden bald zu dritt wieder herauskommen!

Erstmal aufs Kreißbett ans CTG. Gedimmtes Licht, elektrische Teelichter, die Hebamme hatte es gemütlich gemacht. Bei der vaginalen Untersuchung war der Muttermund schon etwas geöffnet, jedoch war nicht herauszufinden, wie Annika lag. Mein Eindruck, dass sie sich in Sternguckerposition gedreht hatte, würde sich noch bestätigen.

Nach dem CTG ging ich in die Wanne, die die Hebamme schon eingelassen hatte. Leider ließen die Wehen dort wieder nach, was mich doch demotivierte. Sie massierte den Bauch mit Ut-Öl und empfahl mir, etwas herumzulaufen. Doch ich war einfach müde, da ich ja schon so lange wach war. Bei der ersten Geburt hatten mir zwei durchwachte Nächte einen schweren Start gegeben mit meiner großen Tochter und das wollte ich keinesfalls wieder. Zudem spürte ich schon den Wehentropf über mir kreisen wie das Damokles-Schwert.

Zurück zu Dir! Ich war müde, also Pause! Ich machte meinen Hypnotrack an, legte mich aufs Kreißbett und dämmerte zwei Stunden zwischen Schlaf und Trance. Als ich wieder fit war, gingen auch die Wehen wieder kräftig weiter. Wow - Frauen, hört auf Euren Körper und nicht auf andere Menschen!!!

Jetzt wirklich ab in die Wanne und die stärkeren Wellen erleben. Mir ging es die ganze Zeit über gut, die Wellen waren okay. Die Hebamme Katrin war mittlerweile im Dienst und das machte mich sehr glücklich. Sie hat viele Jahre Hausgeburten betreut und ließ mich einfach gewähren. Das von der Klinik vorgeschriebene Dauer-CTG zum Ende hin fiel aus, ebenso wie vorherige regelmäßige Kontrollen. Katrin hörte mit dem Herzton-Knopf immer mal wieder auf den Bauch, wie es ja laut Studien ohnehin besser ist. Da ich die einzige Frau im Kreißsaal war, ließ sich das problemlos umsetzen.

Es lebe die 1:1-Betreuung!

Wir sprachen ab und an darüber, dass Baby 3.0 sich nun leider mit dem Rücken nach hinten gedreht hatte. Hebamme Katrin war völlig überzeugt, dass sie sich wieder zurückdrehen würde. Und andernfalls würde das auch klappen. So verbreitet man Zuversicht und Sicherheit - danke!

Babylein hat dann auch mitgespielt und sich wieder zurecht geruckelt, sodass sie die optimale Startposition hatte.

Eine Untersuchung gegen 10 Uhr zeigte nur 6cm Muttermundsöffnung an, was mich schon etwas nervte. Ich hatte bis dato keine weitere Untersuchung gewollt, um nicht demotiviert zu werden. Doch hier wollten wir mal sehen, wie es so aussah. Aber ich gab mein Bestes, es zu ignorieren, denn ich weiß ja, wie schnell sich alles ändern kann. Katrin blieb ganz entspannt.

Ich hörte die Oberärztin auf dem Flur: „Die Frau ist noch so ruhig, das wird wohl noch dauern.“ Katrin: „Frau Oberärztin, bei den Hypno-Frauen ist das anders…“

Und sie hatte Recht, denn kaum später sagte ich ihr, ich würde mich schon nach mitschieben fühlen. Kurz vorher hatte sie schon das Geburtsset rausgeholt, denn sie hatte mein intensivere Mitgehen während der Wellen bemerkt und richtig interpretiert. Wie ich es auch von der zweiten Geburt kannte, kam eine intensive Phase. Ich warf mich nach vorne auf alle Viere während der Welle und machte Töne, doch es war noch immer okay - solange ich in der richtigen Position war. Glücklicherweise hatte ich keine Übelkeit oder Rückenschmerzen, aber ich spürte es stark im Unterbauch. Mein Mann kühlte mir die Stirn, denn es war im Kreißsaal auch sehr warm.

Wie die beiden vorherigen Babys kam auch 3.0 dann schnell. Es war intensiv, ich jammerte zwischendrin ein bisschen, doch dann war sie schon da!

Katrin fragte noch, ob ich den Kopf fühlen möge, doch mir war da gerade alles zu viel, außer mich auf mich zu konzentrieren. Da war wieder ein kleines Wunder, machte seinen ersten Quaklaut und schaute aus großen blauen Augen!

Ich nahm sie zu mir an die Brust und ruhte mich kurz aus. Katrin sagte: „Jetzt muss ich doch mal die Ärztin rufen, okay?“ und die Oberärztin kam erst dann dazu. Danke, Katrin!

Ein ungewöhnlich großer Schwall Blut im Wasser führte dazu, dass ich dann doch schnell raus sollte. Sonst hätte Katrin mich sogar die Plazenta noch im Wasser gebären lassen. Ich hatte mein Baby auf dem Arm und alle drei stützen mich aus dem Wasser aufs Kreißbett. Die Blutung versiegte jedoch und ich konnte erstmal verschnaufen.

Die Wellen für die Plazenta waren dann ungewohnt heftig, die Oberärztin sagte nur: „Drücken sie gerne kurz mit!“ und dann war es erledigt. Die Nachwellen danach waren noch immer recht intensiv, so dass ich mir dann eine Schmerztablette geben ließ und das war eine sehr gute Entscheidung. Denn die kurze und knackige Endphase hatte doch Kräfte gekostet und die Nachwellen machten mich zitterig.

Die Oberärztin versorgte dann meine Geburtsverletzung, nichts Schlimmes zum Glück und sie machte das sehr einfühlsam und gründlich. Baby 3.0 lag die ganze Zeit auf meiner Brust. Dann lagen wir bestimmt noch eine gute Stunde zu dritt herum, bis Katrin zum Wiegen kam. Babylein hatte da schon längst an beiden Seiten ausgiebig genuckelt

Überraschung: diese kleine Maus wollte mit 4078 Gramm sogar noch ein bisschen schwerer sein als ihre Vorgängerin! So viel zu 3400 Gramm - trotzdem Danke an den Arzt, der sie so klein geschätzt hatte, damit niemand unnötig Stress machte in den Tagen vor der Geburt.

Alle Maße und Werte waren prima und wir waren nicht viel später auf dem Weg nach Hause.

So waren keine 12 Stunden vergangen, als wir durch die selbe Pforte wieder und en Tag hinaus gingen - mit einem neuen Menschlein in der Babyschale!

Diese Geburt zeigte mir deutlich, wie wichtig es ist, dass wir Frauen:

  • uns gut vorbereiten
  • wissen, was wir grundsätzlich wollen
  • unseren Körper spüren und jederzeit offen reagieren können
  • unsere Bedürfnisse ernst nehmen und ihnen höchste Priorität geben
  • uns mit wohlmeinenden und wertschätzenden Menschen umgeben
  • GeburtshelferInnen haben, die das tun, was Geburtshilfe bedeutet: Der Fachbegriff „Obstetrik“ wird abgeleitet von „jemandem beistehen“. Beistehen heißt, einfach nur da sein, gemeinsam abwarten, ernst nehmen und unterstützen.
Danke an mein tolles Geburts-Team!