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Babys haben keine Koliken

2. June 2018

Babys haben keine Koliken! So beruhigst Du Dein Baby zuverlässig und schnell

Laura Rewig

In einem vorangegangenen Artikel habe ich erklärt, weshalb schreiende Babys meist keine Koliken oder Blähungen haben. Wenn Du das verstanden hast, weißt Du auch, weshalb Tees, Medizin und Bauchmassagen nicht helfen.

Wie kann ich mein Baby beruhigen?

Du hast Dein Baby geboren und von einer Sekunde auf die andere hat sich alles, ja wirklich alles verändert, was Dein Baby bis dorthin kannte. Nun hilfst Du Deinem Baby am meisten, diesen Übergang gut zu meistern, wenn Du ihm zunächst möglichst viel davon wieder gibst, was es kennt, seit es hören, sehen und fühlen kann.

Was kennt mein Baby denn?

Dein Baby kommt von einem Platz, an dem es paradiesisch zuging! Es war immer perfekt temperiert. Es war jederzeit optimal versorgt mit allen Nährstoffen und kannte weder Hunger noch Durst. Es war in einem engen Raum und stieß ständig an, wenn es sich bewegte. Gleichzeitig gewöhnte es sich an das fast ganztägige sanfte Schaukeln Deiner Bewegungen, die es im warmen Fruchtwasser wiegten. Es war alles andere als still: das laute Rauschen des Blutes in Deinen Gefäßen und Dein regelmäßiger Herzschlag waren eine dauerhafte Geräuschquelle, die Dein Baby jederzeit abschirmten von plötzlichem Lärm.

Eines vorab: Babys kann man nicht verwöhnen

Oft wirst Du die ungefragte Meinung von vielen Menschen zu allem hören, was Du mit Deinem Baby machst. Und viele werden Dich davor warnen, es zu verwöhnen. Leider ist es so, dass gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts systematisch daran gearbeitet wurde, die Bindung von Eltern und Kindern zu stören. Man hat Bücher darüber geschrieben und gezielt verhindert, dass sich zu enge Bindungen entwickeln. Genau das kennen unsere Großeltern und teilweise Eltern noch als die richtige Erziehung von Babys.

Aber Babys müssen nicht erzogen werden. Sie müssen geliebt werden. Sie müssen Vertrauen lernen in diese Welt und dass immer jemand für sie da ist.

Die Psychologie weiß: Sicher gebundene Kinder, die wissen, dass jederzeit jemand für sie da ist, werden schneller selbstständig und deutlich selbstbewusster und unabhängiger. Ein Baby muss vollkommen umsorgt werden. Seine Bedürfnisse müssen jederzeit befriedigt werden. Es kann noch nicht zwischen sofort und später unterscheiden. Wenn Babys älter und zu Kleinkindern werden, dann können wir ihnen nach und nach beibringen, auch mal zu warten. Wir können ihnen zeigen, dass auch wir Eltern Menschen mit Bedürfnissen und Gefühlen sind. Wir bringen ihnen Mitgefühl mit anderen Wesen bei und all solche Dinge.

Doch zu Beginn: Genieße es, dass Du Dein Baby immer rundum glücklich machen darfst!

Je nachdem wie sensibel ein kleines Menschlein ist, benötigt es mehr oder weniger Hilfe dabei, zur Ruhe zu kommen. Es braucht Dich als seinen Schutz vor der unbekannten Welt also mehr oder weniger. Sei sein Schutz, dafür bist Du da! Und später, wenn es größer wird, geht es von ganz alleine auf die Welt zu.

Der Beruhigungs-Reflex

Wir möchten also unseren Neugeborenen die Ankunft in unserer Welt erleichtern und sie nach und nach an all das neue gewöhnen. Dann wenn sie uns zeigen, dass sie bereit dafür sind. Also geben wir ihnen zunächst, was sie schon kennen. Kurz gefasst:
  1. Gute Temperatur
  2. Optimale Versorgung mit Milch und Saugmöglichkeiten
  3. Pucken
  4. Schaukeln oder Tragen
  5. Rauschen
Gepucktes Baby schläft an der Brust
Gepucktes Baby schläft an der Brust

Schauen wir uns die oben genannten Punkte mal an:

Perfekt temperiert

Das ist klar. Achte darauf, dass Dein Baby der Witterung entsprechend bekleidet ist. Du fasst ihm an den Nacken und spürst, ob es eine angenehme Körpertemperatur hat. Kalte Händchen sind zu Beginn ganz normal. Besonders lieben es viele unruhige Babys, wenn man sie nackt unter einer Wärmelampe eine Weile strampeln lässt. Und natürlich wenn sie am warmen Körper eines anderen Menschen sein dürfen - sei es mit Kleidung oder am allerbesten nackt und mit Hautkontakt.

Immer optimal versorgt

Ein Baby kann jederzeit Hunger haben. Dabei ist es egal, ob es vor 15 Minuten oder vier Stunden zuletzt getrunken hat. Wenn Dein Baby weint und Du es nicht gerade eben erst, dann ist es meist ein guter Tipp, es zunächst anzulegen oder ihm eine Flasche anzubieten. Ich habe es sehr oft erlebt in meinen Trageberatungen, dass junge Eltern kamen und das Baby weinend und unzufrieden war. Auf meine vorsichtige Frage, ob es vielleicht Hunger haben könnte, kam die Antwort: "Aber es hat vor 30 Minuten zuhause erst getrunken..." Die Antwort: "Na und?"

Du kannst ein Baby mit Muttermilch oder Pre-Milch nicht überfüttern!

Wir wissen nie, wann ein Baby einen Wachstumsschub hat oder ihm sehr warm ist und es deshalb mehr Milch braucht. Auch bei Entwicklungsschüben des Gehirns brauchen Babys viel Energie und vor allem viel Sicherheit. Diese gibt ihnen das Saugen und Schlucken und ein voller Bauch. Hunger ist für Dein Baby ein absolut unerträgliches Gefühl und Dein Zwerg wurde dafür gemacht, diesen absolut zu vermeiden. Auch gibt es sogenanntes Cluster-Feeding: Babys trinken gerade abends über 1-3 Stunden sehr viel und in kurzen Abständen, um sich für eine längere Schlafenszeit "aufzufüllen". Wenn ein kleines Baby an der Brust oder Flasche zufrieden ist - dann gib sie ihm :-)

Der enge Raum: Puckt Euch glücklich!

Mittlerweile ist Pucken zum Glück sehr bekannt. Es ist auch nichts neumodisches, sondern wir sehen es auf vielen sehr alten Bildern und auch das Jesuskind ist meist eng eingewickelt auf Darstellungen. Pucken heißt, dass man ein Kind in einem Tuch oder Beutelchen so eng einschließt, dass es immer einen Widerstand spürt. Babys können sich noch nicht zielgerichtet bewegen. Ihre Ärmchen und Beinchen schrauben und zucken meist unkontrolliert in alle Richtungen. Teilweise kratzen sie sich versehentlich blutig, woran man sieht, dass sie es wirklich nicht kontrollieren können. Hier kommen zwei Dinge zusammen: Zum Einen kennt Dein Baby die Enge und findet sie beruhigend. Zum Anderen verhindert das Pucken unkontrollierte Schreckbewegungen und hilft dem Baby so, in den Schlaf zu finden. Auch das Tragen in einem Tragetuch oder guten Tragesystem sorgt für die selbe wohlige Enge.

TIPP: Besorgt Euch einen guten Pucksack schon vor der Geburt.

Das Pucken mit großen Pucktüchern ist oft frustig, da das Einwickeln zu lange dauert und das Baby sich noch mehr aufregt. Zudem muss die Technik perfekt sitzen, sonst ist das Baby schneller wieder draußen, als es reinkam. Auch sind sehr aktive Kinder meist selbst bei perfektem Wickeln in Pucktüchern wahre Entfesselungskünstler und die Ruhe ist schnell dahin. Ich empfehle Pucksäcke mit Reißverschluss, die schnell geschlossen sind und zuverlässig zu bleiben. Außerdem ist so sichergestellt, dass die Beine immer ausreichend zur Seite kippen und die Hüfte sich korrekt entwickeln kann. Einen konkreten Vorschlag findest Du unten. Lass dich nicht beirren. Babys finden alles doof, wobei man an ihnen "herumfummelt". Viele schreien beim Pucken oder Einbinden ins Tragetuch. Sobald sie aber drin sind, man sie aufnimmt und kurz herum trägt, lieben sie das neue Gefühl.

Ständige Bewegung

Es gibt drei Gründe, weshalb Babys Bewegung brauchen:
  1. Sie kennen das Schaukeln aus Deinem Bauch.
  2. Früher überlebten Babys besser, die sich nicht ablegen ließen. Denn so waren sie in der Wildnis jederzeit auf einem schützenden Arm und nicht ungeschützt auf dem Boden. Die Evolution sorgte dafür, dass dies tief in unseren Genen verankert ist.
  3. Etwas ältere und aufmerksame Babys langweilen sich liegend auf dem Boden, denn sie sehen nichts. Dürfen sie dann auf Deinem Rücken oder vor Deinem Bauch sein, können sie an allem von sicherer Warte aus teilhaben und sind zufriedener.
Wichtig ist dabei, dass das Baby optimalerweise gleichzeitig eine Begrenzung hat, also Pucken oder einen sicheren Griff oder ein enges Tragetuch und die Bewegung. Niemals sollte man Babys mit dem Rücken nach unten schaukeln, denn es löst jedes Mal wieder den Moro-Reflex aus. Das Baby erschreckt sich und streckt alle Gliedmaßen sofort zur Seite aus. Auch im Tragetuch sollte man vorsichtig sein, wenn man das Baby vor dem Bauch hat und sich nach vorne bückt. Langsam machen oder noch besser für Deinen Rücken, in die Knie gehen, um den Boden zu erreichen. Was also machen?
  1. Nimm Dein Baby in ein Tragetuch oder gutes Tragesystem, dass es rundum stützt und in einer Anhock-Spreiz-Haltung sicher trägt. Es kann beim Hineinsetzen weinen, dann mache schnell und gehe schon dabei rhythmisch in die Knie. Und sobald es drin ist, gehst Du sofort mit wippenden Schritten zügig los.
  2. Nimm Dein Baby auf den Arm, sodass es seitlich liegt, beispielsweise mit dem Bauch fest an Dir. Du kannst es auch vorher pucken. Gehe jetzt wippend herum, springe oder tanze leicht oder setze Dich auf einen Gymnastikball. Sehr gut für Reisen, da klein zusammenlegbar.
  3. Lege Dir Dein gepucktes Baby seitlich auf Deine beiden Unterarme und wackele es richtig hoch und runter.
  4. Besorge Dir eine Federwiege oder bei sehr unruhigem Kind eine elektrische Babyschaukel.
  5. Lege Dein Baby gepuckt in den Kinderwagen drinnen und schiebe es, je nach Erregungsgrad etwas fester oder sanfter hin und her. Kombiniere das mit Rauschen, siehe unten.
TIPP: Je unruhiger Dein Baby ist, desto mehr Bewegung wird es brauchen. Ja, dass kann heftig aussehen. Aber solange Du Dein Baby immer gut gestützt hältst, musst Du Dir keine Sorgen machen.

Übrigens: Ein Baby kann nicht zu viel oder zu früh getragen werden.

Unsere Kinder sind Traglinge, denn die Natur hat uns nur mit unseren Armen ausgestattet, um sie bei uns zu haben. Du kannst Dein Baby also sofort ab Geburt tragen und auch 24 Stunden am Tag - wenn Du das möchtest :-) Ein Tragetuch oder eine Komforttrage sind wunderbar, um Dein Kind sicher und zufrieden bei anderen Menschen zu wissen, wenn Du mal eine Pause brauchst. Und es fühlt sich einfach wunderschön an. Zudem ist Tragen mit guter Körperhaltung die beste Rückbildung, die Du Deinem Beckenboden, Deiner Bauch- und Rückenmuskulatur und Deinen Oberschenkeln schenken kannst. Mit stetig mitwachsendem Gewicht ;-) Besorge Dir am besten ein Tragetuch, sodass Du sofort nach der Geburt etwas hast. Wenn Du dann nicht gut klar kommst, suche Dir eine gute Trageberaterin in der Nähe. Das sind wohl die sinnvollsten circa 60 Euro, die Du ausgeben wirst.

Beruhigendes Rauschgeräusch

Tatsächlich stellen viele Eltern fest, wie friedlich ihre Babys werden, wenn sie sich die Haare föhnen oder staubsaugen. Mein kleines High-Need-Schreibaby schlief zum ersten Mal friedlich ein, als ich mir noch schnell vor dem Spaziergang die Haare föhnte. Auf dem Boden liegend, vom Schreien zur Wonne in Sekunden! Du hast folgende Möglichkeiten:
  1. Zum akuten Beruhigen schhhhhhst Du Deinem Baby direkt und recht laut ins Ohr, gerne kombiniert mit Pucken und Wackeln. Babys hören zu Beginn nicht besonders gut.
  2. Für Einschlafen drinnen und längere Schlafen am Stück besorge Dir eine Rausch-CD mit verschiedenen Geräuschen. Manche Babys stehen auf Staubsauger, manche auf Fön, manche auf Waschmaschinen, das ist wirklich verschieden. So vermeidest Du übermäßigen Stromverbrauch durch Deinen Staubsauger, der aus Verzweiflung eine Stunde an sein muss.
  3. Es gibt Kuscheltiere, die durch ein innenliegendes Modul Rauschen und Herzschlaggeräusche machen. Sie können dem Baby ins Bett, die Wiege oder den Kinderwagen gelegt werden.
Wir haben alle Nächtelang dem Rauschen einer CD zugehört. Das war deutlich weniger nervenaufreibend als ein schreiendes Kind und man gewöhnt sich ja an einiges.

Alles geht vorbei

Um Dich zu beruhigen: Meine großen Töchter sind jetzt neun und sieben Jahre alt. Sie sind beide früh gelaufen, unheimlich aktiv und sehr selbstständig. Sie wollten ab 1-2 Jahren kaum noch getragen werden, da sie dann laufen konnten und auch gerne im Buggy saßen. Sie schliefen nach wenigen Monaten ohne Rauschen und nach einem Jahr ohne Pucken. Sie schlafen jetzt gerne in ihren eigenen Betten, kommen aber auch gerne mal zum Kuscheln, wenn sie nicht nachts aufwachen. Sie übernachten bei Freundinnen und schlafen auch meist alleine ein. Babys sind Babys. Kleinkinder sind Kleinkinder. Kinder sind Kinder. Erwachsene sind Erwachsene. Die Bedürfnisse verändern sich und groß werden sie alle von ganz alleine. Meist müssen Hilfsmittel wie Pucken nicht mal abgewöhnt werden, sondern die Kindern wachsen einfach heraus und zeigen das dann auch. Gib Deinem Baby diese Hilfestellungen, so lange es sie braucht. Du kannst immer mal wieder ausprobieren nach den ersten Monaten, ob es auch ohne Pucken oder Rauschen schläft. Wenn nicht - mach weiter. Wenn ja, okay dann lass es. Doch es gibt keinen Grund, Dir Sorgen zu machen. Du hilfst Deinem Baby, sich in dieser Welt als neues Menschlein zurecht zu finden. Mach es so, wie Ihr es braucht!

Das hilft!

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