Menu Close
Ungewünschte Sectio

4. May 2018

Trauer und Wut nach ungewünschtem Kaiserschnitt? Das ist okay!

Seit vielen Jahren spreche ich mit Frauen, die sich eine natürliche Geburt gewünscht haben und die Geburtsreise dann in einem Kaiserschnitt endete. Was mir diese Frauen berichten - und vielleicht bist Du eine von ihnen - ähnelt sich meist sehr. Es blutet mir jedes Mal das Herz, wenn eine Frau zum Äußersten bereit war für ihr Baby und dennoch ausgefüllt ist von dem Gefühl des Versagens. Eine Frau, die für den sicheren und gesunden Start ihres Babys ins Lebens alles getan hat, wird aufgefressen von dem Gefühl, es nicht richtig gemacht zu haben. Es nicht geschafft zu haben, so wie es doch optimal sein soll. Mit hinein mischt sich eine große Trauer um das, was sie nicht erleben durfte. Möglicherweise wurde sogar durch eine notwendige Vollnarkose bei Not-Kaiserschnitt das erste Bonding verpasst und das Baby fühlte sich erstmal fremd an. Oft folgt dann auch eine Wut auf die Umstände und dann die Angst, dass sie ohnehin niemals in der Lage sein wird, ein Kind auf natürlichem Wege zu gebären. Und dann das Schlimmste: "Hauptsache, das Baby ist gesund!" Denn das setzt die Frauen oft stark unter Druck: "Was hast Du denn? Es geht Euch doch gut. Du musst Dich gefälligst freuen." Und es gibt ihnen das Gefühl, dass nun auch noch ihre Gefühle falsch sind und nicht sein dürfen. Die Zeit nach der Geburt ist ohnehin oft von den verschiedensten Gefühlen geprägt. Ja, es gibt Hochs, doch es gibt auch Tiefs. Ja, die meisten Mütter freuen sich. Doch sie haben auch Angst vor der großen Verantwortung, dem plötzlichen Fulltime-Job, dass sie untergehen in all dem Babykram, so wie sie bisher waren. Und in dieses Gefühlswirrwarr mischen sich die ganzen traurigen und ängstlichen Gedanken und Gefühle nach dem ungewünschten Kaiserschnitt mit hinein und machen den Start mit dem neuen Baby nicht leichter. Es ist so wichtig, jedes Gefühl ernst zu nehmen. Jedes Gefühl ist wichtig, jede Sorge darf ausgesprochen werden. Und wir Frauen müssen uns viel mehr unterstützen und uns aufbauen. Deswegen möchte ich diesen Frauen, vielleicht Dir, etwas sagen: Ich kann Dich sehr gut verstehen. Da ist ein Verlustgefühl, etwas verpasst zu haben oder dass Dir etwas vorenthalten wurde. Und oft mischt sich ein Versagensgefühl mit rein, dass „ich es nicht geschafft habe“ oder so. Und das ist okay! Du darfst trauern um das, was Dir vorenthalten wurde. Du darfst sauer sein, dass es nicht so ging, wie Du wolltest. Das ist richtig und wichtig. Doch ich will Dir eines sagen: Du hast das größte Opfer gebracht, was eine Frau bringen kann. Du hast Deinem Baby zuliebe Deinen Bauch aufschneiden lassen! Du bist Risiken eingegangen, Du hast Schmerzen auf Dich genommen. Du hast nicht versagt, Du hast im Gegenteil den größten Mut bewiesen. Was Du geleistet hast durch Deine Bereitschaft, ist unbeschreiblich! Du bist eine Löwenmutter! Ich denk an Dich!   ACHTUNG! Wenn Du merkst, dass Du alleine nicht klarkommst mit diesen Gefühlen, dann hole Dir professionelle Hilfe. Bitte nimm Dich und Deine Bedürfnisse ernst. Du kannst zunächst mit Deiner Hebamme sprechen. Zudem gibt es Beratungsstellen, die Dir weiterhelfen können. Und auch Hypnotherapeutinnen sind hier eine große Hilfe. Such einfach so lange, bis Du jemanden findest, der Dir gut tut. Du bist nicht alleine!   Und noch ein letzter Satz: Ein Kaiserschnitt ist kein Grund, das nächste Kind nicht auf natürlichem Wege bekommen zu können! Selbst bei zwei oder drei Kaiserschnitten gibt es viele Geburtsberichte von Frauen, die ihr nächstes Baby auf natürlichem Wege bekommen haben. Lass Dir Zeit und wenn es so weit ist, dann hole Dir alle Hilfe und Unterstützung, die Du bekommen kannst! Links, wenn Du Hilfe brauchst: www.diakonie.de www.caritas.de www.donumvitae.de www.profamilia.de Vor Ort gibt es zusätzlich oft auch Mütterzentren oder lokale Beratungsstellen.