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Bemuttert die Mutter

21. December 2017

Tipp für frischgebackene Omas: Bemuttert die Mutter!

Laura Rewig

Alle Eltern, die schon Kinder haben, werden wohl diesem Sprichwort zustimmen:
Ratschläge sind auch Schläge!
Ich fand das zum ersten Mal ziemlich mäßig, als ich es hörte. Doch je mehr ich durch meinen Lebensalltag mit Baby und später Kleinkind schritt, desto öfter musste ich an dieses Sprichwort denken.

Warum schreibe ich das hier, wo es um Mütter geht, deren Kind gerade selber ein Kind bekommen hat?

Ganz einfach: Ich höre und lese von so vielen Konflikten, die auftreten, weil die junge Oma den jungen Eltern gut gemeinte Tipps gibt. Weil sich diese Oma wieder und wieder einmischt, indem sie ihre Meinung kund tut. Doch warum machst Du das, frische Oma? Sehr wahrscheinlich, weil Du helfen möchtest! Weil Du es gut meinst und weil Du irgendwie dazu gehören möchtest. Dann siehst Du, dass alles ganz anders gemacht wird, als man es Dir früher empfohlen hat. Und wahrscheinlich siehst Du auch, wie unendlich viele Gedanken und Sorgen sich die Eltern heute machen. Du siehst, wie schwierig es anscheinend geworden ist, ein Kind zu bekommen und großzuziehen, weil die Eltern so viele Ansprüche an sich stellen.

Und Du willst einfach nur helfen und dabei sein. Doch was passiert?

Deine Tipps strengen die jungen Eltern noch mehr an. Deine Ratschläge geben ihnen noch mehr das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Mit jedem Mal, dass Du etwas abwertest, was Dein Sohn oder Deine Tochter mit dem Baby macht, wird die Lücke zwischen Euch ein bisschen größer. In vielen Familien entstehen darüber große Streitigkeiten und es gibt Zerwürfnisse. Omas oder auch Opas werden immer weniger eingeladen, Familienbesuche gemieden - weil es einfach nur anstrengend ist. Es ist ohnehin schon ein Megahammer, ein Kind zu bekommen. Und sehr sehr wahrscheinlich kannst Du Dich daran gar nicht mehr so genau erinnern. Kannst Du es noch? Wenn Du Dir einen Moment Zeit nimmst, kannst Du es noch fühlen? Diese Unsicherheit, wenn man in ein Leben mit einem neuen Baby startet? Ja, es kann wunderschön sein, aber auch ermüdend, anstrengend und vor allem - verunsichernd. Doch es gibt einen Weg, wie Du dazu gehören kannst und ein unheimlich wertvoller Teil der Familie bleibst.

Bemuttere die jungen Eltern

Und zwar im guten und hilfreichen Sinne - was heißt das?
  • Sei völlig wertfrei und nimm einfach wahr, wie das Baby versorgt wird.
  • Höre zu, sei da und lasse alle Gefühle der jungen Eltern einfach zu.
  • Sei einfach neugierig und freue Dich, dass Du teilhaben darfst und sehen, wie es heute abläuft.
  • Mach' Dir klar, wie unheimlich viel Arbeit Dein Sohn oder Deine Tochter gerade leistet.
  • Bleibe nach der Geburt nur kurz und gehe einfach ohne Aufforderung wieder.
  • Biete Deine Hilfe an.
  • Sei nicht sauer, wenn sie mal abgelehnt wird.
Hilfe kann sein:
  • Essen vor Ort kochen oder Essen vorbei bringen
  • Wäschewaschen und Zusammenlegen
  • Mit dem abgefütterten Baby Ausfahrten im Kinderwagen oder Spaziergänge mit der Trage machen.
  • Das ältere Kind zu Ausflügen mitnehmen.
Biete Deine Hilfe nur an, wenn Du sie wirklich gerne leisten möchtest. Ganz wichtig ist natürlich, dass Du einfach fragst, ob Deine Hilfe gewünscht ist. Manchmal vielleicht nicht - okay, auch das gehört dazu. Sei geduldig, sicher wird darauf zurück gegriffen, wenn es passt. Wenn Du keine Hilfe leisten möchtest, dann biete sie nicht an. Das ist auch okay, Menschen sich verschieden. Es ist jedoch wichtig, ehrlich im Umgang miteinander zu sein. Und dazu gehört auch, ehrlich zu sagen, wenn man etwas nicht möchte. Das entlastet die Beziehung zu Deinem Kind mehr, als wenn Du Dinge tust, die Du nicht möchtest und irgendwann Vorwürfe darauf bastelst. Doch versuche dann, möglichst die ersten Punkte zu beherzigen und sei einfach nur ein angenehmer Mensch, der zuhört und nicht wertet.

Du bist zu weit weg?

Ja, viele Eltern wohnen weit weg von ihren erwachsenen Kindern. Doch in Zeiten des Telefons, kannst Du trotzdem ganz viel tun. Für junge Eltern kann es ganz wichtig sein, sich auszutauschen. Es kann unheimlich viel Kraft geben, die Verbindung zu den eigenen Eltern zu spüren und sich von ihnen verstanden zu fühlen. Beherzige bei Euren Telefongesprächen die ersten Punkte, sei wertfrei, nimm Anteil und liebe einfach nur Dein Kind. So wirst Du auch aus der Entfernung eine große Hilfe sein! Wenn es Dir finanziell gut geht, vielleicht kannst Du ja eine Putzkraft springen lassen? Oder einen Gutschein für eine Massage? Dazu würden die meisten Mütter sicher nicht Nein sagen :-)